Warum wir lieber gefallen wollen und uns selbst unserer kostbaren Zeit berauben.

Ob Frau oder Mann, oder ob jung oder alt. Der Großteil unserer Gesellschaft zieht es vor sich der Konvention anzupassen. Auch wenn man nicht immer mit der Gruppe oder den Kollegen d’accord ist, gibt man lieber nach und geht den Weg des geringsten Widerstandes. Vielen fehlt es an Mut seine Bedürfnisse oder gar Anliegen laut auszusprechen. Dabei geht es nicht nur um die paraverbale Kommunikation, wie beispielsweise Laut und Artikulation. Es geht vor allem darum ob und wie man seine Wünsche äußert.

Bei vielen meiner Kunden ist das der erste Stolperstein für einen glaubwürdigen, starken Auftritt. Es fehlt ihnen an Mut und Selbstüberzeugung, aus der Riehe hervorzutreten und für sich selbst eizustehen.

Es ist aber auch kein Wunder wenn man bedenkt, dass wir von klein auf lernen uns ständig der Umgebung anzupassen. Das kann in vielerlei Hinsicht Vorteile mit sich bringen. Gerade die Modifikation hat es unserer Spezies Mensch ermöglicht sich auch in extremen klimatischen und geografischen Gegenden niederzulassen und weiterzuentwickeln. Diese Adaptionsfähigkeit unterscheidet uns wesentlich von anderen Tierarten.

Dennoch, gerade diese hohe Anpassungskunst stellt für uns eine große Herausforderung dar. Der Mensch war schon immer ein Rudeltier. Zu seinen wichtigsten sozialen Bedürfnissen gehört die emotionale Bindung zu seinen Mitmenschen. Es kostet uns manchmal sehr viel Kraft „Nein“ zu sagen. Viele schaffen es nicht ihre eigene Entscheidung zu treffen, ohne dabei das Gefühl zu haben sich dafür rechtfertigen zu müssen. Vieler meiner Coachees haben sogar das Bedürfnis sich nach Kundgabe ihrer Entscheidung nicht nur zu erklären. Nein, sie entschuldigen sich sogar dafür.

Hat denn eine klare Ansprache, eine klare Formulierung etwas mit Schuld zu tun?

„Jetzt sei doch nicht so direkt!“, “Die weiß genau was sie will.“ oder „Die hat ja vielleicht Vorstellungen.“…diese und viele andere Aussagen sind mir und so manchen resoluten Kollegen schon unter gekommen.

Anscheinend schickt es sich nicht in unserer Gesellschaft klar zu sagen was man sich vorstellt, wohin man will oder was man braucht. Doch sobald man auf einen freundlichen Ton achtet und zugleich bestimmt auftritt, merkt man plötzlich wie leicht alles von der Hand geht.

Wenn ich mir im Geiste darüber im Klaren bin was und wohin ich will und das auch noch laut und klar formulieren kann, ist es verblüffend wie viel Zeit man sich plötzlich erspart. Ist doch ganz logisch nachvollziehbar – langes drum herum reden kostet einfach viel Zeit.

Wie z.B. „Ich wünschte ich könnte das Projekt vielleicht in dieser Zeit irgendwie meistern.“

Und nicht nur das, es kostet einen selbst und dem Gegenüber auch mehr Energie. All diese Verknotungen müssen zuerst mal vom Empfänger rezipiert und dann auch noch endcodiert werden. Das kostet Ressourcen & Zeit!

Also, gehe Sie achtsamer mit sich selbst um und ersparen Sie sich die Energie und Zeit. Trauen Sie sich ruhig klar Ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern.

Denn wenn Sie nicht selbst für sich die Stimme erheben – wer denn dann?

Eine klare Sprache ist der erste Schritt zur Selbst-„Bestimmung“.

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